„Marode Schulen in NRW“: WDR sendet live aus der Aula

der Frida-Levy-Gesamtschule

Einen besseren Veranstaltungsort hätte es kaum geben können für das „Stadtgespräch“. Denn auch wenn die Frida-Levy-Gesamtschule nicht allein ist mit dem Problem, dem der WDR  eine ganze Sendung widmete, ist das Thema „Marode Schulen in NRW“, so der Titel der Live-Sendung, die am 7. März im Radio WDR 5 aus unserer Aula ausgestrahlt wurde, bei uns besonders drängend: Angesichts vorhandener Gelder, erheblicher baulicher Probleme und einer vorhandenen Alternative direkt vor unserer Haustür.

Erst vor wenigen Monaten machten die Schülerinnen und Schüler unserer Schule mit Nachdruck und großer öffentlicher Resonanz auf die Probleme mit dem maroden Schulgebäude aufmerksam. Anlässlich der von der SV initiierten Demo vor dem Rathaus hatte der WDR neben SAT.1 und RTL bereits erschreckende Bilder gezeigt. Und auch „Stadtgespräch“-Moderator Matthias Bongard beschreibt in der Live-Sendung, wie drastisch die Situation ist: Der Putz bröckelt von den Wänden, Fenster fallen aus den Angeln. Auf der Toilette kann nicht gespült werden, weil sonst das Wasser überläuft. Beim Händewaschen stellt man fest, dass nur eines der vielen Waschbecken überhaupt funktioniert.

Warum aber kommen Milliarden-Fördermittel bei den Schulen nicht an, um solche Zustände zu beenden?

Um dieser Frage in unserer gut gefüllten Aula auf den Grund zu gehen, hätte auch das Podium nicht  besser besetzt sein können. Mit Muchtar Al Ghusain, Schuldezernent der Stadt Essen, Berthold Kuhl, Schulleiter unserer Schule, Timon Nikolaou von der Landesschülervertretung NRW und Mathias Richter, Staatssekretär im NRW-Schulministerium, waren alle Zuständigen vertreten. Aber klare Antworten oder gar Zusagen? Fehlanzeige.

Man wolle seitens der Politik, wie immer wieder betont wurde, „keine Zuständigkeitsdebatte“ führen. Und doch müssten, so der NRW-Staatssekretär Matthias Richter, die Schulträger „eine echte Priorität“ setzen, denn sie seien es letztlich, die über die Verwendung der Gelder entscheiden. Und der Essener Schuldezernent Muchtar Al Ghusain entgegnet, dass Schulentwicklungsplanung „kompliziert“ sei: “Wir planen jetzt Investitionen, aber eben nicht nur an dieser Schule, sondern auch an anderen”, erläuterte er. Und dass die Gelder nur schleppend ausgegeben werden können, denn sowohl die Stadtverwaltung als auch die Handwerker leiden unter  Fachkräftemangel. Und dann verweist Al Ghusain darauf, dass an Berufskollegs die Renovierungen leichter angeschoben würden, weil dort auch Lehrer und Schulleiter beschäftigt seien, die sich in Sachen Baufach auskennen. Eine Bemerkung, die Stirnrunzeln auslöste und für die er viel Kritik erntete.

Angesichts des aus den Angeln gefallenen Fensters in einem Musikraum unserer Schule (nur ein Beispiel für den baulichen Zustand) ist eine solche Diskussion unbefriedigend. Lediglich wenn es um „Verkehrssicherungspflicht“ gehe, wenn also Gefahr in Verzug sei, würde die Stadt auch schnell Handwerker vorbeischicken, beschreibt unser Schulleiter Bertold Kuhl.

Doch durchgreifende und konzeptionell durchdachte Maßnahmen? „Die Planung braucht einfach Zeit“, stellt der Schuldezernent dar, „sollen alle Beteiligten langfristig zufrieden sein.“  Die Schulgemeinde müsse einverstanden sein, man brauche ein Grundstück… da drängte sich wieder die Frage nach dem Grundstück „altes VHS-Gelände“ auf, die Berthold Kuhl dann auch ansprach. Doch eine echte Antwort gab es auch hier nicht. Immerhin aber die Klarheit: Die Probleme müssen dringend angepackt, der Sanierungsstau abgebaut werden.

Und: Immerhin steht jetzt das Grundstück der alten VHS wieder auf der Agenda der Schulentwicklungsplaner. Denn nachdem der Investor wegen „Unwirtschaftlichkeit“ abgesprungen ist, rückt das Gelände im Rahmen der Machbarkeitsstudie wieder ins Gespräch. Es bleibt also ein Funken Hoffnung und die Gewissheit: Nicht nur wir an der Frida-Levy-Gesamtschule brauchen Geduld…

 Iris Kraft